Welttag der Patientensicherheit 2026: Was gehört zu einer sicheren Versorgung für chronisch kranke Menschen?
Berlin, den 17. September 2026 – Rund 40 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer chronischen Erkrankung – oft über viele Jahre oder ihr ganzes Leben. Anlässlich des Welttags der Patientensicherheit am 17. September fordert das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) unter dem Motto „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“ eine konsequente Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen, Schnittstellen und digitaler Vernetzung.
Strukturreform ja – aber nur mit aktiver Patientensicherheit
Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich im Umbruch: zahlreiche Reformen verändern die Strukturen grundlegend, Abläufe müssen angepasst werden. Die mit der Krankenhausreform eingeleitete Konzentration komplexer Leistungen begrüßt das APS – doch müssen Übergangsphasen so gestaltet sein, dass stets ausreichende Versorgungskapazitäten bestehen. Die Planungsbehörden der Länder sind gefragt, ihre Ausnahmemöglichkeiten verantwortungsvoll zu nutzen, um stets eine flächendeckende, qualitativ gute und sichere Versorgung zu gewährleisten.
Mit der zunehmenden Aufteilung der Versorgung auf mehrere Einrichtungen – etwa durch sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen (SüV) – kommen mehr Schnittstellen hinzu, an denen Risiken entstehen können. Verbindliche, gemeinsam abgestimmte Behandlungspfade sind hier keine Option, sondern Voraussetzung: Sie müssen klar regeln, wann telekonsiliarisch beraten und wann zurückverlegt werden muss.
„Strukturreform allein reicht nicht.“, betont Dr. Heidemarie Haeske-Seeberg, Vorsitzende des APS. „Wer Versorgung neu strukturiert muss auch für Rahmenbedingungen sorgen, dass sie funktionieren kann: durch stabile Übergangsphasen und Freiräume für die regional angepasste Vernetzung von Gesundheitseinrichtungen“.
Digitalisierung ist in der Medizin kein Selbstzweck, sondern gelebter Patientenschutz.
Der Wechsel zwischen Arztpraxis und Klinik gehört zu den sensibelsten Phasen einer Behandlung: Wenn Vorerkrankungen, Allergien oder aktuelle Befunde nicht rechtzeitig vorliegen, drohen Fehleinschätzungen oder Verzögerungen.
Vier digitale Werkzeuge sollen das verhindern: die elektronische Patientenakte (ePA) als zentrales Gedächtnis der Behandlungsbiografie, der digitale Medikationsplan mit automatischer Warnung vor Wechselwirkungen, der digitale Arztbrief für eine zeitnahe Information der weiterbehandelnden Hausarztpraxis. Zusätzlich sollte jeder Patient und jede Patientin ein Anrecht auf einen in laienverständlicher Sprache verfassten Patientenbrief haben.
„Patientensicherheit darf nicht vom Zufall oder von mitgebrachten Papierausdrucken abhängen“, sagt Dr. Albrecht Stier, stellvertretender Vorsitzender des APS. „Sie braucht einen lückenlosen, digitalen Informationsfluss in Echtzeit – das ist gelebter Patientenschutz.“
Chronische Erkrankungen als gesellschaftliche Herausforderung
Chronische Krankheiten zeichnen sich durch ihre Dauer aus. Die Betroffenen leiden über viele Jahre oder sogar ihr ganzes Leben an den Symptomen, Beschwerden, Einschränkungen, Sorgen usw. Nicht selten muss das Leben umgestellt und vielleicht der Beruf gewechselt werden. Die Krankheit beansprucht durch häufige Ärzt:innen- und Therapiebesuche oder durch vorbeugende Maßnahmen viel Zeit, sie erfordert finanzielle Aufwände, die teilweise selbst getragen werden müssen.
Gleichzeitig zählen chronische Erkrankungen auch zu den größten Treibern für Krankheitsgeschehen und Kosten im Gesundheitssystem: Laut RKI ist rund die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland betroffen, bei Kindern und Jugendlichen sind es etwa 16 Prozent. Der weit überwiegende Teil wird ambulant betreut. Strukturierte Behandlungsprogramme (DMP) zeigen, wie sektorenübergreifende Versorgung gelingen kann – aktuell nehmen daran rund 7,7 Millionen Patient:innen teil.
„Patient:innen sind meist Expert:innen für ihre chronische Erkrankung,“ erklärt Dr. Franziska Diel, Generalsekretärin des APS. „Ihnen zuzuhören, ihre Beobachtungen ernst zu nehmen und ihr Selbstmanagement im Umgang sowie bei der Bewältigung ihrer Erkrankung zu stärken, trägt zu einer guten und sicheren Versorgung bei.“
Fazit: Sicherheit über die gesamte Versorgungskette
Ob strukturierte Behandlungsprogramme, abgestimmte Versorgungspfade oder digitale Werkzeuge an den Schnittstellen: Das APS ist sich einig, dass ein gutes Leben mit chronischer Erkrankung eine stabile Versorgung braucht, die Patient:innen aktiv einbindet und Übergänge lückenlos gestaltet.
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Über das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS):
Vertreter der Gesundheitsberufe, ihrer Verbände, der Patientenorganisationen sowie aus Industrie und Wirtschaft haben sich im Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) 2005 zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Plattform zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland aufzubauen. Als gemeinnütziger Verein setzt es sich für eine sichere Gesundheitsversorgung ein und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden.
Fotos der Pressekonferenz können Sie hier downloaden. Fotograf: Eventfotosberlin, Danilo Ferrera
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