Förderpreis für Patientensicherheit in der Medizintechnik

Die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE|DGBMT) und das Aktionsbündnis Patientensicherheit vergeben auch in diesem Jahr wieder den Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik. Der mit insgesamt 6.500 Euro dotierte Preis richtet sich an den wissenschaftlich-technischen Nachwuchs in Forschungseinrichtungen, Kliniken und in der Industrie. Die VDE|DGBMT und das Aktionsbündnis prämieren die besten Arbeiten zu Technologien, Systemen und/oder Prozessen beziehungsweise deren Gestaltung, die eine erhebliche Verbesserung der Patientensicherheit in einem überschaubaren Zeitraum erwarten lassen. Der Preis soll die Entwicklung sicherer medizinischer Geräte, Systeme und Prozesse und deren Gebrauchstauglichkeit fördern. Denn Defizite in der Gebrauchstauglichkeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Anwendungsfehlern beim medizinischen Personal und gefährden den Patienten. Preisstifter ist Dr. med. Hans Haindl, der als öffentlich bestellter Sachverständiger für Medizinprodukte auf über 20 Jahre Schadensbegutachtung an Medizinprodukten zurückblicken kann.

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Preisträger 2020

1. Platz

Martin Oelschlägel

Verfahren senkt Risiken von Defiziten nach neurochirurgischem Eingriff

Martin Oelschlägel, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Klinisches Sensoring und Monitoring an der TU Dresden, erhält für seine Arbeit „Intraoperative Optische Bildgebung zur Lokalisation und Schonung funktioneller Hirnareale während neurochirurgischer Operationen“ den mit 5000 Euro dotierten Preis Patientensicherheit in der Medizintechnik 2020. Der Preis wird jedes Jahr von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) und dem Aktionsbündnis Patientensicherheit für herausragende Arbeiten im Bereich Patientensicherheit vergeben. Patienten, die sich einer Operation am Gehirn unterziehen mussten, drohte bislang als mögliche Komplikationen zum Beispiel der Verlust der Sprache oder die Beeinträchtigung des Sehvermögens. Sie können jetzt dank Martin Oelschlägel Hoffnung schöpfen. Er hat wesentliche Beiträge zur Entwicklung eines optischen, kontaktlosen und nichtinvasiven Verfahrens geleistet, das es erlaubt, die Hirnregionen, die an der Verarbeitung von Gefühl, visueller Information, motorischen Prozessen oder der Sprachproduktion beteiligt sind, während neurochirurgischer Operationen in ihrer flächigen Ausdehnung darzustellen und somit gezielt zu schonen. Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden findet dieses Verfahren bereits in klinischer Routine Anwendung und trägt zu einer optimalen Behandlung verschiedener Erkrankungen bei, die einen neurochirurgischen Eingriff notwendig machen.

 

Platz 2 und 3

Platz 2 und damit 1000 Euro gehen an Eike Petersen von der Universität Lübeck für seine Arbeit „Überwachung des Atemantriebs intensiv beatmeter Patienten mittels des respiratorischen Oberflächen-Elektromyogramms. Platz 3 und 500 Euro erhält Dr. Daniel Rüschen von der RWTH Aachen für seine Arbeit „Robust Physiological Control of Left Ventricular Assist Devices”.

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Preisträger 2019

1. Platz

Dipl.-Ing. Karin Somerlik-Fuchs

Intraoperatives Neuromonitoring des autonomen Nervensystems im kleinen Becken

Dipl.-Ing. Karin Somerlik-Fuchs erhält den ersten Preis gemeinsam mit Prof. Dr. med. Werner Kneist von der Universitätsmedizin Mainz und Prof. Dr.-Ing. Klaus-Peter Hoffmann vom Fraunhofer IBMT, St. Ingbert für ihre Arbeit „Intraoperatives Neuromonitoring des autonomen Nervensystems im kleinen Becken“. Das Neuromonitoring ermöglicht es, wichtige Nerven während einer Operation zu schützen.

Für einige operative Eingriffe und Körperregionen ist das Neuromonitoring mittlerweile etablierter und evidenzbasierter Standard. Denn Operationen im Bereich von Nervenbahnen bergen grundsätzlich das Risiko von Nervenschädigungen, oft verbunden mit starker Beeinträchtigung der Lebensqualität von Patienten und hohen Folgekosten für das Gesundheitssystem. Aus Sicht des Patienten ist die Vermeidung von Nervenschädigungen ein wichtiges Handlungsfeld.

Die vorliegende Arbeit beschreibt die langjährige Etablierung eines intraoperativen Neuromonitoringsystems, ausgehend von Grundlagenuntersuchungen bis hin zur Planung einer multizentrischen Studie zur Überprüfung des klinischen Effektes. Durch die Arbeit von Somerlik-Fuchs wird es möglich, während einer Operation im kleinen Becken, wichtige Nerven, die beispielsweise für eine ordnungsgemäße Blasenentleerung, die Enddarm- oder auch Sexualfunktion zuständig sind, eindeutig zu identifizieren und vor einer unbeabsichtigten Schädigung zu schützen. Erste Studien zeigen Erfolge, welche die Reduktionen solcher patientenrelevanter Komplikationen belegen. Die Reduktion vermeidbarer unerwünschter Wirkungen durch Verwendung des von Somerlik-Fuchs und Kollegen entwickelten Systems stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit von Patienten dar, die sich einem operativen Eingriff im kleinen Becken unterziehen müssen.

 

2. Platz

Den zweiten Preis erhält Lorenz Müller für seinen Beitrag „Patientensicherheit durch partizipative Beschaffungsprozesse in Gesundheitseinrichtungen“.

 

Preisträger 2018

1. Platz

Dr. Marie-Luise Metasch

Qualitätssicherung in der Mittelohrchirurgie: Experimentelle und intraoperative Messungen der Signalübertragung der Ossikelkette bei elektromagnetischer Anregung zur Entwicklung und Evaluation eines Monitoringsystems für Tympanoplastik

Der Bewerbung um den „Preis für Patientensicherheit“ lag die Dissertation zu Grunde zum Thema: „Qualitätssicherung in der Mittelohrchirurgie: Experimentelle und intraoperative Messungen der Signalübertragung der Ossikelkette bei elektromagnetischer Anregung zur Entwicklung und Evaluation eines Monitoringsystems für Tympanoplastik“. Das Ergebnis der Tympanoplastik hängt von verschiedenen Parametern wie der Prothesenpositionierung, der Vorspannung, dem Prothesendesign und der Erfahrung des Operateurs ab. Bislang konnte die erste Kontrolle der Mittelohrübertragungsfunktion intraoperativ nur durch visuelle und haptische Kontrolle des Operateurs und postoperativ erst nach mehreren Wochen mittels Audiogramm erfolgen. Dabei schwanken die erzielten Hörergebnisse interindividuell stark. Die objektive Darstellung der Mittelohrübertragungsfunktion mit dem bisherigen Goldstandard der akustischen Anregung ist während der Operation bei defektem Trommelfell (während der Tympanoplastik) nicht möglich, so dass ein Messsystem (das Real-Time Monitoring) mit einer alternativen Anregungsform – der elektromagnetischen Anregung – im Mittelohrlabor des Uniklinikums Dresden (Ear Research Center Dresden/ERCD) entwickelt wurde.

Die permanente elektromagnetische Anregung des rekonstruierten Schallleitungsapparats über einen Magneten auf dem Trommelfell ermöglicht eine simultane und direkte Einstellung der Rekonstruktionsparameter (Vorspannung, Positionierung der Prothese) für ein optimales Übertragungsverhalten. Durch einen Messlaser werden die erzeugten Schwingungen gemessen und können simultan sowohl über eine graphische Darstellung als auch über ein Tonsignal mittels Kopfhörern für den Operateur dargestellt werden. Vereinfacht könnte man davon sprechen, dass der Arzt schon intraoperativ hört, wie der Patient postoperativ hören wird.

Die Dissertation gliederte sich in 2 Teile. Im experimentellen Teil wurde die elektromagnetische Anregung mit dem bisherigen Goldstandard der Schallanregung im Felsenbeinpräparat verglichen, um die Effektivität, Reliabilität und Validierung des Systems für die intakte und rekonstruierte Ossikelkette zu belegen. Der klinische Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigte sich mit der intraoperativen Umsetzbarkeit des Monitoringsystems am Patienten.

In den Ergebnissen zeigte sich, dass die elektromagnetische Anregung geeignet für die Messung der Mittelohrübertragungsfunktion ist und sich mit den Messdaten der akustischen Schwingungsanregung vergleichen lässt. Des Weiteren stellt das Real-Time Monitoring das erste Messsystem bei Tympanoplastik dar, welches ohne großen Aufwand intraoperativ einsetzbar ist und eine Rückmeldung über das Rekonstruktionsergebnis zeitgleich zur Manipulation an der Prothesenposition ermöglicht.

 

Zwei 2. Plätze:

Dr.-Ing. Acel Loewe

Neue elektrokardiographische Kriterien zur Echtzeit-Beurteilung der Blockade von anterioren Mitrallinien – V1-Jump und V1-Delay

und

Leonard Pawelzik

Entwicklung eines hydroakustischen Messverfahrens zur Prävention von Paravasaten